«Meine Augen im Nebel»: mit trockenen Augen leben

Augentrockenheit betrifft Millionen von Menschen, insbesondere nach dem 50. Lebensjahr. Mit zunehmendem Alter produzieren unsere Augen auf natürliche Weise weniger Tränen, und deren Qualität verschlechtert sich allmählich. Dies erklärt, weshalb diese Erkrankung bei älteren Menschen immer häufiger auftritt. Der Alterungsprozess betrifft insbesondere die Tränendrüsen, die weniger Tränen, sowie Tränen von geringerer Qualität produzieren, wodurch das Auftreten und die Verschlechterung von trockenen Augen begünstigt werden. Obwohl diese Erkrankung häufig verharmlost wird, beeinträchtigt sie das Sehen, das Lesen und selbst alltägliche Aktivitäten ausser Haus. Um besser zu verstehen, was Betroffene erleben, haben wir Madeleine, 73 Jahre alt, getroffen. Als dynamische, sportliche und von ihrer Familie umgebene Frau berichtet sie uns offen von ihrem Weg und ihren Tipps, um mit dieser Erkrankung besser leben zu können. | Adeline Beijns

Können Sie uns ein paar Worte über sich und Ihren Lebensweg erzählen?

Ich bin 73 Jahre alt und hatte ein wirklich erfülltes Leben. Während meiner Berufslaufbahn arbeitete ich als kaufmännische Angestellte, wodurch ich viele Menschen kennenlernen durfte. Das war bereichernd. Mein grösster Reichtum ist jedoch meine Familie: Gemeinsam mit meinem Mann habe ich drei Kinder grossgezogen, und heute habe ich drei Enkelinnen, denen ich mit Freude beim Aufwachsen zusehe. 

Sie schenken mir so viel Freude! Mein ganzes Leben lang war ich immer sehr aktiv: Ich bin Ski gefahren, habe Tennis gespielt und bin vor allem viel gewandert. Selbst heute gehe ich noch alle zwei Tage spazieren. Das hält mich fit und tut meiner Stimmung gut. Ich hätte nie gedacht, dass mir meine Augen eines Tages so viele Probleme bereiten würden.

Wie erleben Sie die Augentrockenheit im Alltag?

Es begann ungefähr zwischen 2014 und 2017. Im Jahr 2014 wurde ich an den Augen operiert, und 2017 erkrankte ich an Brustkrebs und erhielt eine Chemotherapie. In dieser Zeit begannen meine Augen mich stark zu beeinträchtigen. Es ist nicht genau bekannt, ob dies auf die Augenoperation, die Nebenwirkungen der Chemotherapie oder ganz einfach auf den natürlichen Alterungsprozess zurückzuführen ist. Heute lebe ich mit dem ständigen Gefühl, einen Nebel vor den Augen zu haben. Morgens nach dem Aufwachen ist es am schlimmsten: Alles ist verschwommen, als läge ein dichter Schleier über meinen Augen. Im Laufe des Tages bessert es sich etwas, allerdings nur dank der Augentropfen, die ich bis zu zehnmal täglich anwende. Ohne sie wäre ich wirklich verloren. Es ist kein Schmerz wie ein Brennen, aber dieses verschwommene Sehen ermüdet mich sehr. Dennoch gehe ich weiterhin spazieren und sehe meine Enkelinnen, aber ich muss alles entsprechend anpassen.

Welche Anzeichen oder Empfindungen fallen Ihnen im Alltag am meisten auf?

Das wichtigste Anzeichen ist das verschwommene Sehen, sowohl in der Nähe als auch in der Ferne. Besonders beim Lesen ist das sehr mühsam: Selbst mit meiner Brille werden die Zeilen nach einer gewissen Zeit unscharf. Und in die Ferne habe ich das Gefühl, ständig im Nebel zu sein, als würde ich durch Milchglas schauen. Am meisten belastet mich dieses ständige Schleiergefühl, das mir manchmal den Eindruck vermittelt, als hätte ich Watte im Kopf. Es ist kein stechender Schmerz, aber im Alltag sehr ermüdend.

Haben Sie Situationen oder Momente bemerkt, in denen die Beschwerden stärker werden?

Oh ja, absolut. Morgens nach dem Aufwachen ist es wirklich am schwierigsten. Aber auch, wenn ich in grosse Kaufhäuser oder Einkaufszentren gehe: Die sehr starke künstliche Beleuchtung verschlimmert alles. Ich halte mich dort nicht mehr lange auf, weil ich noch schlechter sehe und mich schnell unwohl, fast schwindelig fühle. Im Winter, wenn die Luft wegen der Heizung trocken ist oder die Luftfeuchtigkeit im Haus sinkt, spüren meine Augen das sofort. Sobald die Luft zu trocken wird, verstärkt sich der Nebel deutlich.

Wie beeinflussen diese Beschwerden Ihre Lebensqualität oder Ihre Aktivitäten?

Sie beeinträchtigen vor allem das Lesen, welches doch eine meiner grossen Leidenschaften ist. Wenn ich ein spannendes Buch beginne, muss ich spätestens nach dreissig Minuten aufhören, weil ich dann praktisch nichts mehr sehe. Das frustriert mich sehr.

Auch in grosse Kaufhäuser gehe ich wegen der Beleuchtung nicht mehr gern. Früher bin ich dort gerne geschlendert, heute bleibe ich lieber zu Hause oder gehe tagsüber bei natürlichem Licht nach draussen. Glücklicherweise kann ich noch immer spazieren gehen und Zeit mit meinen Enkelinnen verbringen. Aber ja, meine Freiheit und meine Lebensqualität werden dadurch doch etwas eingeschränkt. Ich muss vorsichtiger sein und mich anders organisieren.

Welche Lösungen oder kleinen Massnahmen verschaffen Ihnen im Alltag wirklich Erleichterung?

Die Augentropfen sind mein wichtigster Begleiter, ich kann nicht mehr auf sie verzichten. Ich verwende sie sehr regelmässig, manchmal zehnmal am Tag, und sie verschaffen mir wirklich Erleichterung, auch wenn diese nur vorübergehend ist. Ausserdem habe ich zu Hause einen Luftbefeuchter und achte darauf, dass die Luftfeuchtigkeit immer mindestens 40% beträgt. Das macht wirklich einen grossen Unterschied. Ich vermeide zu trockene Umgebungen, bevorzuge natürliches Licht und achte darauf, mich nicht zu lange in klimatisierten oder künstlich beleuchteten Räumen aufzuhalten. Das sind einfache kleine Massnahmen, die im Alltag aber einen echten Unterschied machen.

Wenn Sie anderen Betroffenen einen Rat oder Ihre Erfahrungen mitgeben könnten, was würden Sie ihnen sagen?

Vor allem: Bleiben Sie mit Ihren Beschwerden nicht einfach allein, sondern gehen Sie zu einer Augenärztin oder einem Augenarzt. Die Ärzt:innen können Ihnen wirklich helfen und die Behandlung an Ihre persönliche Situation anpassen. Sorgen Sie ausserdem für genügend Luftfeuchtigkeit in Ihrem Zuhause, das ist sehr wichtig, und zögern Sie nicht, die Augentropfen so oft anzuwenden, wie es nötig ist, auch wenn das häufig erscheint. Man muss sich einfach anpassen, geduldig sein und sich gut unterstützen lassen. Ich gehe noch immer spazieren, sehe meine Familie und geniesse das Leben. Trockene Augen werden mich nicht daran hindern, glücklich zu sein. 

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