Brennende Augen, gestörter Schlaf

Die Augentrockenheit oder das Syndrom der trockenen Augen ist eine deutlich weiter verbreitete Störung, als man glaubt. Sie betrifft etwa 25% der Erwachsenen, mit einer deutlichen Zunahme nach 40 Jahren. Während viele sie mit einer einfachen Reizung durch Bildschirme oder klimatisierte Luft in Verbindung bringen, kann sie je nach Person sehr unterschiedliche Formen annehmen. Bei manchen bleibt sie tagsüber unauffällig und manifestiert sich wirklich erst nachts, stört den Schlaf und führt zu chronischer Müdigkeit. Um diese oft unsichtbare, aber wirklich störende Erkrankung besser zu verstehen, haben wir Julien, 45 Jahre, Büroangestellter in Basel, getroffen. Als aktiver Familienvater und beruflich stark beschäftigter Mann verkörpert er perfekt das Profil eines Vierzigjährigen, welcher sich nie hätte vorstellen können, mitten in der Nacht von seinen Augen geweckt zu werden. Sein Erfahrungsbericht zeigt uns, wie nächtliche Augenbeschwerden die Erholung beeinträchtigen können, ohne jedoch das Leben tagsüber zu behindern. Wenn also auch Sie dieses sandige Gefühl oder diese morgendliche Müdigkeit wiedererkennen, kann eine Abklärung bei einer Fachperson den entscheidenden Unterschied machen, denn es gibt Lösungen. | Adeline Beijns

Könnten Sie sich kurz vorstellen?

Ich heisse Julien, bin 45 Jahre alt und arbeite in einem Büro in Basel. Mein Beruf ist eher sesshaft: viele Stunden vor dem Computer, Sitzungen, Dossiers, die bearbeitet werden müssen. Wie viele Menschen in meinem Alter führe ich ein aktives, aber recht gewöhnliches Leben, mit wenig Zeit für mich ausserhalb der Arbeit. Wahrscheinlich habe ich deshalb diese Augentrockenheit, die sich nach und nach eingeschlichen hat, nicht kommen sehen. Anfangs dachte ich, es sei einfach eine vorübergehende Müdigkeit.

Wie äussert sich die Augentrockenheit in Ihrem Alltag?

Sie tritt vor allem mitten in der Nacht auf, gegen 3 oder 4 Uhr morgens, ohne Vorwarnung. Ich wache mit völlig trockenen Augen auf, als ob Sandkörner darin wären, was mich dazu zwingt, nach den Augentropfen auf dem Nachttisch zu greifen. In manchen Nächten bleibe ich eine Stunde wach, manchmal zwei; das liegt auch an den anderen Sorgen, welche ich mir wie jede:r andere mache. Es ist unmöglich, sofort wieder einzuschlafen, und ich kann die Nächte pro Jahr, in denen ich ohne Unterbrechung durchschlafe, an einer Hand abzählen. Am nächsten Tag schleppe ich eine körperliche Müdigkeit mit mir herum, als hätte sich mein Körper nicht richtig erholt. Das ist zu einer Routine geworden, die zwar bewältigbar bleibt, aber belastend sein kann, wenn ich mich in den folgenden Nächten nicht ausreichend erholen kann.

Welche Symptome verspüren Sie am häufigsten?

Am unangenehmsten sind die Schmerzen, wenn ich bei nächtlichem Erwachen versuche, die Augen zu öffnen. Solange ich keine Augentropfen angewendet habe, ist das Gefühl unangenehm und mit eher mässigen Schmerzen verbunden. Ich muss mich jedoch dazu zwingen, die Augen zu öffnen, um die Tropfen einzuträufeln, was einen stärkeren, stechenden Schmerz verursacht. Ausserdem habe ich sehr häufig das Gefühl, Sand oder winzige Körnchen unter den Augenlidern zu haben. Morgens sind meine Augen oft leicht gerötet. Glücklicherweise tritt die Erleichterung nach dem Eintropfen recht schnell ein, und ich kann einen normalen Tag mit weniger gereizten Augen beginnen.

Gibt es Tageszeiten oder Situationen, bei denen sich Ihre Symptome verschlimmern?

Ja, ganz klar dann, wenn ich die Augen zu lange geschlossen halte, etwa während des Tiefschlafs, oder wenn ich nicht mehr ausreichend blinzle. Das geschieht vor allem nachts, wenn der Körper ruht und die Tränenproduktion natürlicherweise abnimmt. Wenn ich hingegen tagsüber aktiv bin, sei es konzentriert bei der Arbeit oder in Bewegung, habe ich praktisch keine Symptome.

Ich kann stundenlang vor dem Bildschirm verbringen, ohne Probleme zu haben, solange ich in Bewegung bin oder mich konzentriere.

Inwiefern beeinträchtigen diese Augenbeschwerden Ihre Aktivitäten?

Ehrlich gesagt nur sehr wenig. Bei der Arbeit oder vor Bildschirmen habe ich praktisch nie Beschwerden. Auch meine Freizeitaktivitäten (Sport, Spaziergänge mit meiner Familie oder das Lesen am Abend) sind kaum betroffen. Die Augentrockenheit bleibt ein sehr punktuelles Problem, welches sich auf den Schlaf konzentriert. Genau das macht sie etwas frustrierend: Tagsüber hindert sie mich nicht daran, normal zu leben, aber sie beeinträchtigt meine nächtliche Erholung, und auf Dauer wirkt sich das auf mein allgemeines Energieniveau aus.

Welche Gewohnheiten oder Lösungen helfen Ihnen im Alltag, Ihre Augenbeschwerden zu lindern?

Eine Zeit lang hatte ich mir angewöhnt, jeden Abend meine Augenlider zu massieren. Die Idee dahinter war, die Meibom-Drüsen anzuregen, damit sie den Lipidfilm, der die Augen schützt, besser produzieren. Das hat mir eine Zeit lang geholfen: Meine Augen waren morgens weniger trocken und weniger gerötet. Aber schliesslich habe ich damit ganz aufgehört. Die Massage nahm schnell 30 Minuten pro Tag in Anspruch mit der Vorbereitung des Produkts, der eigentlichen Pflege und der anschliessenden Reinigung.

Das war sehr zeitaufwendig, und paradoxerweise habe ich nach dem Absetzen festgestellt, dass ich besser schlief und meine Augen beim Aufwachen weniger gerötet waren. Heute habe ich alle Behandlungen eingestellt, die mir zu viel Zeit abverlangen. Ich halte lediglich die Augentropfen griffbereit auf dem Nachttisch für schwierige Nächte. Ich weiss, dass dies langfristig nicht die ideale Lösung ist, aber im Moment ermöglicht es mir, ein normales Leben zu führen, ohne dass die Augentrockenheit zu einer täglichen Obsession wird.

Ein letztes Wort an die Leser:innen, die sich in Ihrer Geschichte wiedererkennen könnten?

Wenn Sie nachts mit trockenen Augen aufwachen und Sie dies stark ermüdet, zögern Sie nicht, mit Ihrer Ophthalmolog:in oder Optometrist:in darüber zu sprechen. Es ist nichts Belangloses, auch wenn man tagsüber nichts davon sieht. Und vor allem: Hören Sie auf Ihren Körper. Was bei manchen Menschen funktioniert (wie beispielsweise Lidmassagen), ist nicht unbedingt für alle geeignet. Das Wichtige ist, ein Gleichgewicht zu finden, welches Sie nicht zusätzlich erschöpft. 

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