
Chefarzt der Kardiologie am Universitätsspital Basel
Bluthochdruck gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und bleibt dennoch oft lange unentdeckt. Obwohl heute wirksame Therapien zur Verfügung stehen, erreichen nicht alle Patient:innen ihre Zielwerte. Neben Lebensstiländerungen und Medikamenten gewinnen auch neue interventionelle Verfahren an Bedeutung. Im Gespräch mit Prof. Dr. med. Felix Mahfoud, Chefarzt der Kardiologie am Universitätsspital Basel, geht es um Ursachen, Grenzen der Therapie und neue Behandlungsoptionen. | Noémie Aeschlimann
Warum wird Bluthochdruck als «stiller Killer» bezeichnet?
Bluthochdruck ist eine chronische Erkrankung mit dauerhaft erhöhtem Druck in den Blutgefässen. Er wird als «stiller Killer» bezeichnet, weil er oft keine Symptome verursacht und lange unbemerkt bleibt. Viele Betroffene erfahren erst spät davon, oft erst nach Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Gleichzeitig schädigt der erhöhte Blutdruck über Jahre hinweg unbemerkt Herz, Gehirn, Nieren und Gefässe. Diese fehlenden Warnzeichen unterstreichen die Bedeutung regelmässiger Kontrollen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung und wo liegen die Grenzen?
Die Therapie beginnt mit Lebensstilmassnahmen wie Bewegung, Gewichtsreduktion sowie mediterraner und salzarmer Ernährung. Häufig reicht das nicht aus, sodass Medikamente notwendig werden. Diese wirken an verschiedenen Stellen der Blutdruckregulation, etwa über Hormone, Gefässe, Nierenfunktion oder das Nervensystem. Trotz Behandlung gelingt es bei einem Teil der Betroffenen nicht, den Blutdruck ausreichend zu senken. Rund jede:r dritte Patient:in erreicht die Zielwerte nicht, obwohl mehrere Medikamente kombiniert werden.
Was ist die renale Denervation und wie funktioniert sie?
Die renale Denervation ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem Nervenfasern um die Nierenarterien gezielt verödet werden, da sie an der Blutdruckregulation beteiligt sind. Der Eingriff erfolgt über einen Katheter in der Leiste, der in die Nierengefässe geführt wird. Dort wird Energie in Form von Hitze abgegeben, wodurch die Nervenaktivität reduziert wird. Er dauert etwa 60 Minuten, erfolgt im Dämmerschlaf und meist bleibt man eine Nacht im Spital.
Für wen kommt diese Therapie infrage?
Geeignet ist die Methode für ausgewählte Patient:innen, bei denen Medikamente nicht ausreichend wirken oder nicht eingenommen werden können oder wollen. Auch bei mehrfacher Medikation und weiterhin unkontrolliertem Blutdruck kann sie sinnvoll sein.
Welche Risiken und Vorteile hat die Therapie?
Der Eingriff gilt als sicher. Mögliche Komplikationen sind vor allem Blutergüsse an der Einstichstelle oder selten Kontrastmittelreaktionen. Vorteil ist eine zusätzliche, anhaltende Blutdrucksenkung über 24 Stunden, unabhängig von der täglichen Medikamenteneinnahme. Die Methode ersetzt Medikamente nicht, sondern ergänzt sie.
Ist die renale Denervation etabliert?
Sie ist in internationalen und nationalen Leitlinien verankert und weltweit im Einsatz. Das Verfahren wird bereits in vielen Zentren angewendet, seine Verbreitung nimmt kontinuierlich zu und es wird in der Schweiz erstattet.
Gibt es ein Beispiel aus der Praxis?
Ich erinnere mich an eine junge Patientin mit Kinderwunsch und Bluthochdruck, bei der die medikamentöse Therapie wegen der geplanten Schwangerschaft nur eingeschränkt möglich war. Im Rahmen einer klinischen Studie führten wir eine renale Denervation durch. Sie sprach sehr gut an, der Blutdruck liess sich deutlich senken und sie benötigte danach keine Medikamente mehr. Später wurde sie Mutter von zwei gesunden Kindern. Das zeigt das Potenzial des Verfahrens.
Ihr Schlusswort?
Bluthochdruck ist ernst, aber gut behandelbar. Entscheidend ist frühes Erkennen und konsequente Therapie, um Risiken wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden zu senken.
Dieser Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung von Medtronic (Schweiz) AG erstellt. Weltpoststrasse 5, 3015 Bern
Die Unabhängigkeit der Meinung der Expertin, des Experten und der Patientin wurde vollständig gewahrt
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