
Facharzt für Ophthalmologie und Augenchirurgie am Talacker Augen
Zentrum Zürich
Die regelmässige augenärztliche Kontrolle ist wichtig für die langfristige Gesundheit der Augen, da viele Erkrankungen schleichend verlaufen und lange unbemerkt bleiben können. Um dies einzuordnen, haben wir mit Prof. Dr. med. Christoph Kniestedt, Facharzt für Ophthalmologie und Augenchirurgie am Talacker Augen Zentrum Zürich, gesprochen. Im folgenden Gespräch erläutert er zentrale Aspekte zu Risiken und Vorsorge sowie die Unterschiede zwischen augenärztlicher Untersuchung und der Sehkontrolle beim Optiker oder der Optikerin und deren Bedeutung im klinischen Alltag. | Noémie Aeschlimann
Was sind die grössten Risiken für die Augengesundheit, wenn keine regelmässigen augenärztlichen Kontrollen stattfinden?
Die grössten Risiken für einen dauerhaften Schaden entstehen vor allem durch Erkrankungen, die lange unbemerkt bleiben. Besonders relevant ist der erhöhte Augeninnendruck, der zu einem Grünen Star führen kann. Dabei handelt es sich um eine irreversible Schädigung des Sehnervs. Auch bestimmte Formen der Makuladegeneration sollten möglichst frühzeitig erkannt werden, um einen positiven Therapieeffekt erreichen zu können.
Das häufigste, aber meist jederzeit gut behandelbare Risiko für einen Sehverlust ist die Trübung der Linse, die sogenannte Katarakt. Dieser Verlust der Sehschärfe wird in der Regel rechtzeitig bemerkt und kann operativ behandelt werden, indem die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt wird.
Inwiefern unterscheidet sich eine Sehkontrolle beim Optiker oder bei der Optikerin von einer medizinischen Untersuchung bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt?
Der Optiker ist in erster Linie für die Bestimmung der Brechkraft des Auges zuständig. Darauf basierend werden Brillen oder Kontaktlinsen angepasst und ärztliche Rezepte umgesetzt. Medizinische Abklärungen wie die Augeninnendruckmessung, die Beurteilung von Netzhaut und Sehnerv sowie die daraus resultierenden therapeutischen Konsequenzen gehören in fachärztliche Hände. Zwar kann der Augeninnendruck teilweise auch im Optikergeschäft gemessen werden, die medizinische Bewertung und Einordnung bleiben jedoch ärztliche Aufgaben. Im Rahmen von Screeningprogrammen ist es sinnvoll, auch Optikerinnen und Optiker einzubeziehen, die auffällige Patientinnen und Patienten an augenärztliches Fachpersonal weiterweisen.
Welche Augenerkrankungen können ohne eine fachärztliche Kontrolle unbemerkt bleiben?
Ohne augenärztliche Untersuchung können im Anfangsstadium fast alle Augenerkrankungen unentdeckt bleiben, mit Ausnahme einfacher Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Altersfehlsichtigkeit. Diese werden in der Regel im Optikergeschäft erkannt und korrigiert.
Erkrankungen wie ein erhöhter Augeninnendruck, Schäden am Sehnerv oder Veränderungen an der Netzhaut erfordern jedoch eine medizinische Abklärung. Auch der reine Messwert des Augeninnendrucks ist ohne fachliche Interpretation nicht ausreichend aussagekräftig und kann nur im Gesamtkontext richtig eingeordnet werden.
Ab welchem Alter empfehlen Sie eine regelmässige Kontrolle bei der Augenärztin oder dem Augenarzt und in welchen Abständen sollte diese erfolgen?
Eine pauschale Altersgrenze lässt sich nicht festlegen, da familiäre und individuelle Risiken eine entscheidende Rolle spielen. Bei einer familiären Vorbelastung, insbesondere im Zusammenhang mit Glaukom, sollte bereits in jungen Jahren eine erste Kontrolle des Augeninnendrucks erfolgen. Auch bei zunehmender Kurzsichtigkeit im Jugendalter ist eine augenärztliche Begleitung sinnvoll. Bei ansonsten unauffälligen Augen kann in den ersten Lebensjahrzehnten auf regelmässige Kontrollen verzichtet werden. Spätestens ab etwa 40 Jahren empfehlen wir jedoch eine erste Untersuchung, da altersbedingte Veränderungen dann häufiger auftreten und eine frühzeitige Erkennung entscheidend ist.
Wie verändern sich die Risiken je nach Altersgruppe?
Bei Kindern stehen vor allem Fehlsichtigkeiten und deren Entwicklung sowie manifestes oder latentes Schielen im Vordergrund, das Kopfschmerzen oder Schulprobleme verursachen kann. Im Jugend- und frühen Erwachsenenalter ist die Situation meist stabil.
Ab etwa 40 Jahren nehmen altersbedingte Veränderungen zu, darunter erhöhter Augeninnendruck, Katarakt sowie erste Veränderungen der Makula, dem Ort des schärfsten Sehens. Ab etwa 60 Jahren gewinnt die Makuladegeneration an Bedeutung und zählt zu den häufigsten Ursachen für Seheinschränkungen, mit spürbaren Auswirkungen auf das zentrale Sehen und die Lebensqualität.
Mit steigendem Alter nehmen auch Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Hypercholesterinämie zu, die ophthalmologische Komplikationen verursachen können. Daher ist eine gemeinsame Betreuung durch Haus- und Augenärzt:innen sinnvoll.
Welche Anzeichen sollten alarmieren und dazu führen, rasch eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufzusuchen, anstatt sich auf eine Kontrolle beim Optiker oder der Optikerin zu beschränken?
Besonders ernst und akut ist die Netzhautablösung, die einen augenärztlichen Notfall darstellt. Typische Warnzeichen sind periphere Lichtblitze, Russregen sowie ein Schatten im Gesichtsfeld, der sich von oben oder unten ausbreitet. Weitere Notfälle sind traumatische Verletzungen des Auges, akute Drucksteigerungen sowie Durchblutungsstörungen wie arterielle Verschlüsse, die zu einer plötzlichen, vorübergehenden Erblindung führen können. Venöse Thrombosen verlaufen meist etwas langsamer, führen jedoch ebenfalls innerhalb kurzer Zeit zu einer deutlichen Sehverschlechterung und erfordern eine rasche Abklärung. Eine schnelle Behandlung ist entscheidend für eine gute Prognose.
Ihre wichtigste Botschaft zum Schluss?
Abschliessend lässt sich sagen: Bei Augenproblemen ist die Augenärztin oder der Augenarzt die erste Anlaufstelle. Optikerinnen und Optiker spielen dabei eine wichtige Rolle, sie erkennen früh refraktive Fehlsichtigkeiten und übernehmen Screeningaufgaben, ersetzen aber keine augenärztliche Abklärung oder Behandlung. Die medizinische Verantwortung liegt klar in ärztlichen Händen. Regelmässige Kontrollen sind entscheidend, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Sehkraft langfristig zu erhalten.

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