Trotz allem atmen: Nicolas und sein schweres Asthma

Nicolas, 31 Jahre alt

Asthma ist eine chronische Atemwegserkrankung, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Sie macht selbst die einfachsten Tätigkeiten des Alltags zu einer echten Herausforderung. In der Schweiz ist Asthma laut der Lungenliga weit verbreitet und betrifft jedes zehnte Kind sowie jeden vierzehnten Erwachsenen1. Nicolas, ein 31-jähriger Mann, der an schwerem Asthma leidet, hat sich bereit erklärt, die Realität dieser Krankheit mit uns zu teilen: ihre heimtückischen Symptome, die Einschränkungen, die sie mit sich bringt, aber auch Bewältigungsstrategien. | Adeline Beijns

Der Anfang

Der 31-jährige Nicolas hat nicht immer ein Leben geführt, das von Inhalatoren und Arztbesuchen geprägt war. Er stammt aus einer Kleinstadt bei Lausanne und wuchs in einer aktiven Familie auf, die im Winter Ski fuhr und im Sommer wanderte. Als Teenager, im Alter von etwa 15 Jahren, traten die ersten Anzeichen auf: anhaltender Husten nach körperlicher Anstrengung und ein Engegefühl in der Brust beim Wechsel der Jahreszeiten. Zunächst schrieb er dies einer wiederkehrenden Erkältung oder einer banalen Allergie zu. 

Doch eines Tages, während einer Radtour mit Freunden, wurde er von einem akuten Anfall überwältigt: starke Atemnot, pfeifende Geräusche in der Brust und Panik, die ihn in die Notaufnahme zwangen. Dort wurde die Diagnose gestellt: schweres Asthma, wahrscheinlich ausgelöst durch eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren, wie einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Allergenen.

Das Berufsleben

Nicolas arbeitet heute als Informatiker in einem grossen Lebensmittelkonzern. Er hat einen sitzenden Beruf, der ihm gut gefällt, da er so keiner längeren Staubbelastung oder industriellen Schadstoffen ausgesetzt ist. Seine Symptome variieren in ihrer Intensität: Ein trockener Husten, der nachts schlimmer wird sowie hörbare pfeifende Atemgeräusche in Ruhe und chronische Müdigkeit aufgrund von Schlafstörungen. Im Gegensatz zur leichten Form lässt sich schweres Asthma nicht immer leicht mit Basisbehandlungen kontrollieren. Es erfordert eine strenge medizinische Überwachung und ständige Anpassungen. Nicolas sucht zweimal im Jahr seinen Pneumologen auf, um sich einer umfassenden Untersuchung zu unterziehen, die Lungenfunktionstests und Anpassungen der Behandlung umfasst. 

Seinen Alltag anpassen

Die Krankheit zwingt Nicolas zu einer angepassten Lebensweise. Es gibt Dinge, die er tun kann, und andere, die er unbedingt vermeiden muss. Er kann beispielsweise schonende Sportarten wie Schwimmen im Hallenbad ausüben. So werden seine Lungen gestärkt, ohne dass er kalter oder trockener Luft ausgesetzt ist.

Starke Parfüms, chemische Reinigungsmittel und staubige Umgebungen sind hingegen tabu. Deshalb verwendet er zu Hause natürliche Reinigungsmittel und trägt beim ausgiebigen Hausputz eine Maske. Intensiver Sport im Freien, wie beispielsweise Laufen bei windigem Wetter, ist ebenso zu vermeiden wie Reisen in Gebiete mit hoher Luftverschmutzung.

Die Herausforderungen im Frühling

Nicolas fürchtet sich besonders vor dem Frühling, weil dann die Luft voller Pollen ist. «Sobald die Bäume zu knospen beginnen, ist es die Hölle», erklärt er. Letztes Jahr, während eines romantischen Spaziergangs mit Émilie, spürte er, wie sich allmählich ein Druckgefühl in seiner Brust aufbaute. Trotz seiner prophylaktischen Massnahmen musste er mit seinem Inhalator in der Hand hastig nach Hause eilen, um einen schweren Anfall zu vermeiden. 

Diese Jahreszeit zwingt ihn, öfters drinnen zu bleiben, die Fenster geschlossen zu halten und täglich die Pollenprognosen über eine App auf seinem Handy zu konsultieren. «Émilie neckt mich damit, dass ich wie ein Vampir bin, der allergisch gegen Sonnenlicht ist. Aber sie ist meine grösste Stütze. Sie überprüft immer die Vorhersagen, bevor sie unsere Ausflüge plant».

Optimistisch bleiben

«Trotz dieser Herausforderungen hat mich Asthma dazu gebracht, mehr auf meinen Körper zu achten. Paradoxerweise hat mich dies widerstandsfähiger gemacht», fasst er zusammen. Seine Geschichte ist ein Beispiel dafür, dass auch mit einer chronischen Erkrankung ein erfülltes Leben möglich ist, vorausgesetzt, man informiert sich und passt sich an. 

Referenz: https://www.lungenliga.ch/krankheiten-therapien/asthma 

Persönliche Anekdote

Unter den prägenden Momenten seiner Krankheitsgeschichte erinnert sich Nicolas besonders an einen Abend, der zum Albtraum wurde. Er war zum Abendessen bei Freund:innen von Émilie eingeladen, die er kaum kannte – ohne zu wissen, dass das Paar drei Angorakatzen besass: entzückende Fellknäuel, aber für seine Lungen hochgefährlich. Kaum hatte er die Wohnung betreten, löste die mit Katzenallergenen gesättigte Luft eine sofortige Reaktion aus: krampfartiger Husten, tränende Augen und eine so heftige Brustenge, dass er die Wohnung umgehend verlassen musste. «Seitdem frage ich immer nach Haustieren, bevor ich eine Einladung annehme – es ist zu einer etwas unangenehmen, aber lebenswichtigen Gewohnheit geworden.»

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