Pulmonale arterielle Hypertonie verstehen: Symptome, Diagnose und Hoffnung

Dr. med. Benoit Lechartier
Pneumologe am Universitätsspital Lausanne

Die pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) ist eine seltene und schwerwiegende Erkrankung der Lungengefässe, die manchmal erst spät diagnostiziert wird. In diesem Interview klärt uns Dr. med. Benoit Lechartier, Pneumologe am Universitätsspital Lausanne, über diese fortschreitende Erkrankung, die Bedeutung einer schnellen Behandlung und die Aussichten für die Patient:innen auf. | Adeline Beijns

Was ist pulmonale Hypertonie und inwiefern ist die pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) eine spezielle und seltenere Form davon?

Pulmonale Hypertonie ist ein klinisches Symptom, das sich durch einen erhöhten Druck in den Lungenarterien auszeichnet. Sie betrifft etwa einen von 100 Menschen und kann verschiedene Ursachen haben, beispielsweise chronische Herz- oder Atemwegserkrankungen. Die Behandlung und Prognose hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab. Die PAH ist eine seltenere Unterform der pulmonalen Hypertonie: Es handelt sich um eine fortschreitende Erkrankung, bei der sich die kleinen Lungengefässe allmählich verengen, was zu einem Anstieg des Drucks in der Lunge und zu einem erhöhten Blutflusswiderstand führt. Dies führt zu fortschreitender Atemnot, manchmal zu Bewusstlosigkeit, allgemeiner Schwäche, Ödemen in den unteren Gliedmassen und einer Überlastung der rechten Herzhälfte. Ohne Behandlung sind Morbidität und Mortalität hoch, die Prognose ist schlecht. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, da die derzeitigen Behandlungsmethoden die Prognose der betroffenen Patient:innen deutlich verbessern.

Was sind die Symptome und warum sind sie oft unspezifisch?

Die Symptome der pulmonalen arteriellen Hypertonie sind oft unspezifisch und können mit denen anderer häufigerer Erkrankungen verwechselt werden, wie beispielsweise einer Anämie, die zu Atemnot bei Anstrengung führt. Zu den ersten Symptomen zählen Müdigkeit und Schwäche, Atemnot bei Anstrengung oder Engegefühl in der Brust. Dies führt manchmal zu einer verzögerten Diagnose und zu einer medizinischen Odyssee—ein entscheidender Faktor für Patient:innen und Pflegekräfte. In der Schweiz profitieren wir von einem hochwertigen Versorgungsnetzwerk. Patient:innen müssen offen mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin sprechen können, und die Anzeichen und Symptome dürfen nicht heruntergespielt werden.

Welche Rolle spielen Lungenfachärzt:innen und Kardiolog:innen im Behandlungsverlauf und warum ist die Überweisung an ein spezialisiertes Zentrum so wichtig?

Lungenfachärzt:innen führen eine erste pneumologische Untersuchung durch und Kardiolog:innen eine Echokardiographie. Diese Untersuchungen sind notwendig, um die Herzfunktion und die Wahrscheinlichkeit einer pulmonalen Hypertonie zu beurteilen. Die Diagnose einer pulmonalen arteriellen Hypertonie ist jedoch komplex und erfordert Fachwissen, einschliesslich einer Rechtsherzkatheteruntersuchung zur Messung des Lungenblutdrucks und des Herzzeitvolumens. Aus diesem Grund ist die Überweisung an ein Referenzzentrum für eine genaue Diagnose und eine optimale Behandlung unerlässlich. Eine verkürzte Diagnosezeit und eine koordinierte Versorgung gehören zu den Prioritäten der Patient:innen.

Warum ist der Begriff der Priorität bei der pulmonalen arteriellen Hypertonie so wichtig, und welche Folgen kann eine späte Diagnose haben?

Es ist wichtig zu betonen, dass eine späte Diagnose manchmal lebensbedrohlich sein kann und eine Behandlung auf der Intensivstation erfordert.


Was patient:innen brauchen*:


 

 

Inwiefern verändert eine multidisziplinäre Behandlung den Alltag der Patient:innen?

Ein multidisziplinärer Ansatz stellt die Patient:innen in den Mittelpunkt des Versorgungsnetzwerks, um ihre Lebensqualität zu verbessern und Symptome zu lindern. Dazu gehören insbesondere Hausärzt:innen, Pneumolog:innen, Kardiolog:innen, Immunolog:innen, Rheumatolog:innen, Krankenpfleger:innen, Physiotherapeut:innen, Apotheker:innen, Sozialarbeiter:innen, Psycholog:innen oder Psychiater:innen.

Dieser Ansatz berücksichtigt die Patient:innen in ihrer Gesamtheit, um eine bessere tägliche Bewältigung der Krankheit zu ermöglichen. Die psychologischen Auswirkungen sind erheblich: PAH ist eine unsichtbare Krankheit, deren Behandlungen häufig Auswirkungen auf den Alltag haben.

Wenn Sie sich in die Lage eines Patienten oder einer Patientin mit pulmonaler arterieller Hypertonie versetzen würden, was würden Sie erwarten? Und was würden Sie als Arzt von Ihren Patient:innen erwarten?

Als Patient:in würde ich eine aufmerksame Betreuung erwarten, mit einem fürsorglichen Pflegepersonal, das Ziele festlegt, um die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern, zufriedenstellende soziale, berufliche und familiäre Interaktionen aufrechtzuerhalten, die Selbstständigkeit zu bewahren und Hoffnung angesichts einer chronischen Erkrankung zu geben.

Unterstützung ist von entscheidender Bedeutung, da die psychologischen Auswirkungen die Selbstständigkeit und das Körperbild beeinträchtigen. Als Arzt hoffe ich, die Symptome schnell und mit möglichst wenigen Nebenwirkungen lindern zu können, um die Sicherheit zu gewährleisten und die negativen Auswirkungen der Krankheit auf den Alltag zu minimieren.

Gibt es für 2026 in der Westschweiz Initiativen zum Thema PAH?

Innerhalb der Schweizerischen Gesellschaft für Pulmonale Hypertonie (www.sgph.ch) verstärken wir die Zusammenarbeit zwischen den PAH-Zentren in der Schweiz. Sensibilisierungsmassnahmen richten sich an die breite Öffentlichkeit und an Angehörige der Gesundheitsberufe, um die Erkennung und Behandlung von PAH zu verbessern. Dies entspricht den von den Patient:innen geäusserten Bedürfnissen: eine erleichterte Kommunikation zwischen Ärzt:innen, eine koordinierte Behandlung innerhalb des Versorgungsnetzwerks sowie ein besseres Verständnis in der Öffentlichkeit. 

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung von MSD Merck Sharp & Dohme AG erstellt / CH-NON-03264 / Die Unabhängigkeit der Meinung des Experten wurde vollständig respektiert


7 Patient:innen mit PAH berichteten über ihren Behandlungsverlauf*:

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Abonnieren Sie die Printversion von Gesundheitsecho, um Zugriff auf alle Informationen zum Thema zu haben: Erfahrungsberichte, Tests, nützliche Adressen, Infografiken und mehr.
Also warten Sie nicht länger!
CHF39.00
Oder abonnieren Sie direkt 8 Ausgaben!
CHF78.00

Loading

Teilen auf

Facebook

Weitere Artikel

So jung hatte ich nicht mit Krebs gerechnet

Wenn man sein ganzes Leben noch vor sich hat, kann es surreal oder sogar grausam erscheinen, wenn eine Krankenschwester mit einem unbeholfenen Lächeln sagt: «Sie haben Glück, Sie haben die richtige Krebs-art gewählt, denn Schilddrüsenkrebs ist gut behandelbar.» Denn auch wenn diese Krebsart oft eine gute Prognose hat, fühlt man sich in diesem Alter nicht bereit, sich mit diesem beängstigenden Wort auseinanderzusetzen. Denn es steht für Unsicherheit und Angst. Das empfand Magda, heute 39 Jahre alt, als die Diagnose gestellt wurde. Fünfzehn Jahre später, während sie ein Fotoalbum über ihre letzte 3500 km lange Reise durch Namibia vorbereitet, erzählt sie von ihrem Lebensweg, der von der Krankheit und dem Wunsch geprägt ist, weiterhin ein erfülltes Leben zu führen.

Loading

Mehr lesen »

Prostatakrebs: was jeder Mann wissen sollte

Obwohl Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern ist, ist er immer noch mit vielen Vorurteilen verbunden. Dank Früherkennung und multidisziplinären Behandlungsmöglichkeiten haben sich die Aussichten auf Heilung für Betroffene erheblich verbessert. Entscheidend bleibt die richtige Aufklärung, die Männer dazu ermutigen soll, das Stigma rund um Prostatakrebs abzulegen und ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. In diesem Interview befragten wir Dr. med. Berardino De Bari, Leiter der Abteilung für Radioonkologie am Neuenburger Spitalnetzwerk.

Loading

Mehr lesen »

Geheimnisse eines erfüllten Senioren

Das Älterwerden ist ein natürlicher Prozess, der mit Optimismus und Energie angegangen werden kann – fernab von Klischees über den Verfall. Der 80-jährige Théo Siegrist, verrät uns heute, welche Gewohnheiten ihm dabei helfen, körperlich und geistig fit zu bleiben.

Loading

Mehr lesen »

Vasektomie: Ein bewusster Schritt… zur Familienplanung

Immer mehr Männer übernehmen aktiv Verantwortung bei der Familienplanung und entscheiden sich für eine Vasektomie. Auch Boris Kasper (41) hat diesen Schritt bewusst gewählt. In diesem Erfahrungsbericht schildert er, warum er sich für eine Vasektomie entschieden hat, wie er den Eingriff erlebt hat und was sich seither verändert hat. Seine Geschichte zeigt, dass der Entschluss gut überlegt sein sollte, aber kein Grund für Angst oder Tabus sein muss.

Loading

Mehr lesen »

Von der Müdigkeit zur Diagnose: HPV als abwendbares Schicksal 

Das humane Papillomavirus (HPV) ist eine der weltweit häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen, von der fast 90% aller Frauen und Männer mindestens einmal in ihrem Leben betroffen sind. In der Schweiz sind diese Viren für mehr als 99% der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich, mit etwa 250 neuen Diagnosen pro Jahr bei Frauen und davon 80 Todesfällen. Angesichts dieser Tatsache bleibt die regelmässige Vorsorgeuntersuchung mittels Pap-Abstrich von entscheidender Bedeutung.1 Das BAG empfiehlt die HPV-Impfung im Alter von 11 bis 14 Jahren, damit die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgt und der Schutz optimal ist – doch auch danach lohnt sich eine Impfung für Mädchen und Frauen vor dem 26.2

Loading

Mehr lesen »