Nicht mit der Grippe verwechseln

Dr. med. Jean-Marie Schnyder 
Leiter der Abteilung für Pneumologie an der Luzerner Höhenklinik Montana

Jeden Winter kehrt das Respiratorische Synzytialvirus (RSV) zurück und betrifft vor allem Kleinkinder und ältere Menschen. Oft wird es mit der gewöhnlichen Grippe verwechselt, kann aber zu schweren Komplikationen wie Bronchiolitis oder Krankenhausaufenthalten führen. Um alles über diesen saisonalen Erreger zu erfahren und die Öffentlichkeit über ihn aufzuklären, haben wir Dr. med. Jean-Marie Schnyder, Leiter der Abteilung für Pneumologie an der Luzerner Höhenklinik Montana befragt. | Adeline Beijns

Was ist das RS-Virus?

Es handelt sich um ein Virus, das die Atemwege infiziert und grippeähnliche Symptome verursacht, oft begleitet von Bronchiolitis. Diese Infektion der Bronchiolen, der kleinen Atemwege in der Lunge, verringert die Fähigkeit des Körpers, Sauerstoff aufzunehmen, und kann zu schwerer Atemnot führen. Das Virus ist in den kälteren Monaten, parallel zur Grippe, zwischen Mitte November und Mitte März am häufigsten zu übertragen. Es ist hochansteckend und betrifft vor allem Kleinkinder unter drei Jahren, aber auch Erwachsene. Das Virus ist eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte bei Kleinkindern und älteren Menschen und kann schwere Komplikationen durch Sauerstoffmangel, bakterielle Superinfektionen und langfristige Atemwegsprobleme nach sich ziehen. 

Welche einfachen Massnahmen können das Übertragungsrisiko im Alltag verringern? 

Das RS-Virus wird durch Tröpfcheninfektion (beim Husten oder Niesen), direkten Handkontakt und über kontaminierte Oberflächen übertragen. Um das Risiko zu verringern, ist es wichtig, vorbeugende Massnahmen zu ergreifen: Tragen Sie eine Maske, wenn Sie Symptome haben, waschen Sie regelmässig Ihre Hände, lüften Sie Ihre Wohnung und reinigen Sie Oberflächen. Diese Massnahmen helfen, den Ausbruch der Krankheit und ihre schwerwiegenden Folgen zu verhindern. Impfungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Reduzierung von Krankenhausaufenthalten. 

Warum ist die RS-Virus-Prävention besonders wichtig? 

Die Prävention ist für diese Gruppen entscheidend, da sie ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe mit Krankenhausaufenthalt und Komplikationen wie Sauerstoffmangel oder Sekundärinfektionen haben. Bei Säuglingen kann sich eine Infektion schnell zu einer schweren Bronchiolitis entwickeln. Bei älteren Erwachsenen verstärkt ein geschwächtes Immunsystem die Auswirkungen des Virus, was potenziell zu einer Lungenentzündung oder anderen Atemwegserkrankungen führen kann. Die Anwendung von Präventivmassnahmen trägt dazu bei, diese gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu schützen. 

Welche Rolle spielen enge Verwandte bei der Verhinderung einer RSV-Übertragung? 

Enge Verwandte spielen eine entscheidende Rolle bei der Prävention: Wer krank ist – selbst mit einer einfachen Erkältung – sollte Besuche bei älteren Menschen oder kleinen Kindern vermeiden, da RSV leicht übertragbar ist. Gründliches Händewaschen vor dem Berühren eines Babys, die Verwendung von Händedesinfektionsmittel und die Einschränkung von engem Kontakt wie Küssen oder Umarmungen sind einfache, aber wirksame Massnahmen.

Darüber hinaus können Eltern und Grosseltern dafür sorgen, dass Räume regelmässig gelüftet werden, gemeinsam genutzte Gegenstände (wie Spielzeug oder Türklinken) gereinigt werden und, falls verfügbar, die Impfung von Risikogruppen fördern. Nahestehende Menschen bilden die erste Verteidigungslinie, indem sie auf strenge Hygiene und Anzeichen einer Infektion achten, um eine unabsichtliche Verbreitung des Virus zu vermeiden.

Ein letztes Wort? 

Das RS-Virus ist ein hochansteckendes, saisonales Virus. Die meisten Menschen verspüren kaum Symptome, doch für gefährdete Personen kann es schwerwiegende Folgen haben, darunter auch bakterielle Begleitinfektionen wie eine Lungenentzündung. Daher sollte alles unternommen werden, um eine Infektion mit diesem Virus zu vermeiden. Dies kann durch gute Hygienepraktiken und, wenn möglich, durch eine Impfung erreicht werden. 

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Abonnieren Sie die Printversion von Gesundheitsecho, um Zugriff auf alle Informationen zum Thema zu haben: Erfahrungsberichte, Tests, nützliche Adressen, Infografiken und mehr.
Also warten Sie nicht länger!
CHF39.00
Oder abonnieren Sie direkt 8 Ausgaben!
CHF78.00

Loading

Teilen auf

Facebook

Weitere Artikel

Wenn kleine Wunden grosse Folgen haben

Der diabetische Fuss ist eine schwerwiegende Komplikation bei Menschen mit Diabetes, die oft zu spät erkannt wird. Die Erkrankung kann schleichend beginnen und lange unbemerkt bleiben. Chronische Wunden, Infektionen und Amputationen lassen sich jedoch mit der richtigen Vorsorge und frühzeitigen Behandlung in vielen Fällen verhindern. Neben der medizinischen Versorgung spielen Prävention, interdisziplinäre Zusammenarbeit und das Bewusstsein der Betroffenen eine zentrale Rolle. Im Gespräch gibt Dr. med. Hans Brunner (https://www.drbrunner.ch), Spezialist für den diabetischen Fuss, Einblick in die Vielschichtigkeit dieser Erkrankung und schildert die aktuellen Herausforderungen in der Versorgung.

Loading

Mehr lesen »

Fermentierte Lebensmittel – viel mehr als (nur) Geschmack

Sagt Ihnen das was? Fermentierte Lebensmittel sind im Trend. Doch Fermentation ist kein neuer Hype, sondern ein jahrtausendealtes Verfahren zur Konservierung und Geschmacksbildung von Speisen, lange bevor wir über Kühlschränke verfügten. Heute wissen wir: Fermentation kann weit mehr, als nur Lebensmittel haltbar zu machen. Sie erzeugt lebende Mikroorganismen und diese wiederum eine Fülle bioaktiver Verbindungen, die unser Wohlbefinden unterstützen können.

Loading

Mehr lesen »

Nach der Krebserkrankung: zurück zu Intimität und Vergnügen

Die Diagnose Krebs, egal ob sie die Brust, den Gebärmutterhals oder andere Organe betrifft, verändert das Leben in vielerlei Hinsicht. Trotz der körperlichen und emotionalen Herausforderungen bleibt die oft in den Hintergrund gedrängte Sexualität ein wichtiger Pfeiler der Lebensqualität. Doch die Behandlung (Mastektomie, Chemotherapie, Hormontherapie, Prostatektomie) und deren Auswirkungen auf den Körper und das Selbstwertgefühl können zu Herausforderung in diesem Bereich führen. Um mehr über dieses sensible Thema zu erfahren, haben wir mit Dr. med. Lakshmi Waber, Psychiater, Sexologe und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Sexologie, gesprochen. Im Interview hat er uns Tipps in Bezug auf Herausforderungen, Lösungen und Hoffnungen verraten, die Frauen und Männer dabei unterstützen können, Intimität und Lust nach einer Krebserkrankung neu zu entdecken.

Loading

Mehr lesen »

Warme Detox-Tees – sanft in den Herbst starten

Wenn die Tage kürzer werden und der Körper die ersten Fröste der Saison spürt, ist es an der Zeit, sich wohltuenden Ritualen zuzuwenden. Warme Tees und Aufgüsse sind nicht nur eine Wohltat für die Seele – sie können den Organismus auch bei der Umstellung unterstützen, das Immunsystem anregen, die Verdauung fördern und sanft entgiften. Hier sind drei einfache, natürliche und köstliche Rezepte, ideal für einen gesunden Start in den Herbst.

Loading

Mehr lesen »

Histaminintoleranz: ein Rätsel

Die seltene Histaminintoleranz, die rund 1% der Schweizer Bevölkerung betrifft, kann einfache Freuden wie gutes Essen zum Albtraum machen. Die 34-jährige Elodie, eine junge, aktive Frau, hat dies selbst erlebt.

Loading

Mehr lesen »

Probiotika und der Körper

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die – in ausreichender Menge eingenommen – positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben können. Doch was geschieht mit ihnen, sobald wir sie geschluckt haben? Folgen Sie ihrem Weg durch den Körper und entdecken Sie, wie sie mit unserem Organismus interagieren, um unser Wohlbefinden zu unterstützen.

Loading

Mehr lesen »