Frühling, Freude und…Heuschnupfen bei Kindern

Roxane Guillod
Experte en allergies chez aha!

Der Frühling erweckt Blüten und Knospen zum Leben, doch für viele Kinder geht er mit Niesen, tränenden Augen und Müdigkeit einher. Pollenallergien werden oft heruntergespielt, beeinträchtigen jedoch nachhaltig die Gesundheit und Lebensqualität. Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir bei Roxane Guillod, Allergieexpertin bei aha! Allergiezentrum Schweiz, genauer nachgefragt. | Adeline Beijns

Häufigkeit und Schweregrad

Eine Pollenallergie wird oft einfach nur als unangenehm empfunden, erfordert allerdings eine erhöhte Wachsamkeit, insbesondere bei Kindern. Roxane Guillod erklärt dies wie folgt: «Diese Allergie wird manchmal als harmlos eingestuft, da die Symptome, wie eine laufende Nase oder Juckreiz, oft wenig beeinträchtigend erscheinen und auf den ersten Blick harmlos wirken können.» In der Schweiz sind etwa 20% der Bevölkerung davon betroffen, gegenüber 6–7% bei Hausstaubmilben und 3–4% bei Katzenhaaren. Eine frühzeitige Behandlung ist erforderlich, um möglichst zu verhindern, dass sich aus einer Pollenallergie ein allergisches Asthma oder weitere gesundheitliche Probleme der Atemwege entwickeln.

Entwicklung von Allergien

Häufig treten diese Erkrankungen bereits im Kindesalter auf und bleiben ohne eine angemessene Behandlung bestehen. Roxane Guillod spricht von einer «Allergiekarriere»: «Sie beginnt in der Regel mit einem atopischen Ekzem, entwickelt sich danach zu Asthma oder Nahrungsmittelallergien. Dieses Muster tritt zwar nicht systematisch, aber dennoch häufig auf.»

Symptome einer Allergie

Die Pollensaison erreicht ihren Höhepunkt im Mai und Juni und verzeichnet mit der Blüte der Gräser einen kritischen Spitzenwert. Ihre Pollen lösen eine Immunreaktion bei allergischen Personen aus, was wiederum zu den Symptomen führt.

Häufige Anzeichen bei Kindern sind eine laufende Nase, gereizte oder tränende Augen und Juckreiz in den Ohren. Roxane Guillod erklärt: «Meist sind die oberen Atemwege betroffen. Manchmal können aber auch die unteren Atemwege mitbeteiligt sein, was sich durch Engegefühl in der Brust oder Atembeschwerden zeigen kann.»

Darüber hinaus können die Reaktionen bei Kindern aufgrund ihres noch nicht vollständig entwickelten Immunsystems stärker ausgeprägt sein.

Auswirkungen auf die Lebensqualität

Pollenallergien beeinträchtigen den Alltag von Kindern über die körperlichen Symptome hinaus und können sich negativ auf Ihre Konzentration, ihren Schlaf und ihre Aktivitäten im Freien auswirken. «Dies ist für junge Menschen sehr belastend, da sie oft drinnen bleiben müssen», fügt die Expertin hinzu. Das eingeschränkte Spielen im Freien oder Schlafstörungen können sich auch negativ auf die schulischen Leistungen auswirken, vor allem während der Prüfungszeit. Hinzu kommen Begleiterkrankungen wie stärker werdendes Asthma, die den Alltag erschweren.

Bedeutung einer frühzeitigen Behandlung

Trotz ihrer Folgen werden Allergien bei Kindern oft zu selten diagnostiziert. Viele Eltern verwechseln die Allergie-Symptome mit einer Erkältung. «Für Eltern ist es nicht einfach, beides voneinander zu unterscheiden», so Roxane Guillod. Eine frühzeitige Abklärung und Behandlung im Kindesalter beugt Folgeerkrankungen und Komplikationen vor. «Die Therapien sind wirksam und gut verträglich. Ab einem Alter von fünf Jahren kann eine Allergie-Immuntherapie (AIT) die Symptome bis hin zu einer möglichen Heilung reduzieren», bekräftigt sie. Eine verzögerte  Behandlung kann chronisches Asthma begünstigen, während eine ärztlich-begeleitete Therapie die Symptome lindert und die Lebensqualität verbessert.

Behandlungsmöglichkeiten

Allergiebeschwerden können mit Antihistaminika, Nasensprays (z. B. mit Kortison) oder Augentropfen behandelt werden. Diese Medikamente lindern die Symptome gezielt, bekämpfen aber nicht die Ursache und müssen regelmässig angewendet werden.

Eine Behandlung, die die Therapie an der Wurzel anpackt, ist die sogenannte Allergie-Immuntherapie (AIT), die unter ärztlicher Begleitung erfolgt. Diese Therapie wird von einer medizinischen Fachperson begleitet und dauert meist drei Jahre. Die Anwendung erfolgt als Spritze (SCIT) oder als Tropfen bzw. Tabletten zum Einnehmen (SLIT).

Rolle der Gesundheitsfachkräfte und Begleitung der Eltern

In diesem Prozess spielen Ärzte und Ärztinnen eine entscheidende Rolle bei der Diagnose, Behandlung und Aufklärung der Eltern über die Mechanismen und Auslöser von Allergien. «Die Ärzteschaft ist für die Diagnose und die Empfehlung einer Therapie unerlässlich. Aber eine Atemwegs-Allergie umfasst auch viele weitere Aspekte, die nicht medizinischer Natur sind, wie Aufklärung, Information und Begleitung», erklärt Roxane Guillod. Organisationen wie das aha! Allergiezentrum Schweiz können sie dabei unterstützen. Bei chronischen Allergien ist die Zusammenarbeit zwischen medizinischen Fachpersonen und Angehörigen des betroffenen Kindes von entscheidender Bedeutung. 


 

Referenzen:1. Website: aha! Allergiezentrum Schweiz, Allergiekarriere, von Dr. Peter Eng in Zusammenarbeit mit dem aha! Allergiezentrum Schweiz, abgerufen im Januar 2026. 2. Website: aha! Allergiezentrum Schweiz, Infografiken zu Gesundheitsthemen – Vom Scheitel bis zur Sohle (2023), abgerufen im Januar 2026. 

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung von ch.klarify.me erstellt / Die Unabhängigkeit der Meinung der Expertin wurde vollständig respektiert

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Abonnieren Sie die Printversion von Gesundheitsecho, um Zugriff auf alle Informationen zum Thema zu haben: Erfahrungsberichte, Tests, nützliche Adressen, Infografiken und mehr.
Also warten Sie nicht länger!
CHF39.00
Oder abonnieren Sie direkt 8 Ausgaben!
CHF78.00

Loading

Teilen auf

Facebook

Weitere Artikel

Probiotika – Modeerscheinungen oder echte Gesundheitspartner?

In einer Welt, in der der Darm immer mehr als unser «zweites Gehirn» angesehen wird, spielen Probiotika eine zentrale Rolle in Gesundheitsdiskussionen. Doch was steckt eigentlich hinter dem Trendbegriff der Wissenschaft? Wir haben bei Dr. med. Nathalie Jacquelin-Ravel, Spezialistin für klinische und metabolische Ernährung, nachgefragt, welche Rolle diese «guten Bakterien» spielen und welchen Nutzen sie tatsächlich für unseren Körper haben.

Loading

Mehr lesen »

Wenn Mutterschaft auf Gestationsdiabetes trifft

Gestationsdiabetes stellt eine wesentliche Herausforderung bei Risikoschwangerschaften dar und erfordert optimale Strategien für Screening, Überwachung und Prävention. Diese während der Schwangerschaft auftretende Glukoseintoleranz beeinflusst die Gesundheit von Mutter und Kind. Anhand von Mariannes Geschichte (37), die während ihrer Schwangerschaft mit Mathieu (heute 3) an Gestationsdiabetes litt, beleuchten wir die klinische Realität, die Folgen und die Verbesserungsmöglichkeiten der Betreuung in der Schweiz.

Loading

Mehr lesen »

Kann die Altersuhr tatsächlich rückwärtslaufen?

Wie versprochen nehme ich Sie hier mit auf eine Verjüngungs-Tour! Was können Sie tun, egal wie alt Sie sind, um Ihren Zellen einen Energieschub zu verpassen? Wie sollten Sie Ihr Leben organisieren, Ihre Ernährung, den Sport, das Schlafpensum, den Cocktail an Nahrungsergänzungsmitteln, um Ihr hochintelligent agierendes Einsatzkommando für Zellreparatur auf Höchstleistung zu bringen? Um jung zu bleiben – oder vielleicht sogar jünger zu werden? Da heben sich vielleicht die Augenbrauen. Verjüngung? Hokuspokus! Hat denn jemals einer nachweisen können, dass Verjüngung möglich ist? Wissenschaftlich und unbestechlich?

Loading

Mehr lesen »

Psychosexuelle Therapie: An der Schnittstelle von Intimität und Psyche

Die psychosexuelle Therapie, die zunehmend als ganzheitlicher und empathischer Ansatz anerkannt wird, befasst sich sowohl mit psychischen und sexuellen Bedürfnissen der Patient:innen. Sie bietet spezifische Instrumente, um Menschen mit sexuellen oder Beziehungsproblemen zu begleiten. Diese hängen oft mit emotionalen Blockaden, Traumata oder einschränkenden Denkmustern zusammen. Wir sprachen darüber mit Dr. Lakshmi Waber, Facharzt FMH für Psychiatrie und ausgebildeter Sexologe, sowie Präsident und Ausbildungsleiter der Schweizerischen Gesellschaft für Sexologie.

Loading

Mehr lesen »

Die Top 7 Tipps zum Schutz Ihrer Augen

Unsere Augen sind den ganzen Tag über im Dauereinsatz – oft belastet durch Bildschirme, Umweltverschmutzung oder visuellen Stress. Doch mit ein paar einfachen Massnahmen lässt sich ihre Gesundheit langfristig erhalten. Hier sind 7 wichtige Alltagsgewohnheiten, um Ihr Sehvermögen zu schützen.

Loading

Mehr lesen »

Zuckerfreies Beeren – Eis zum Selbermachen

Ein warmer Tag, Lust auf etwas Süsses – aber bitte ohne Zucker? Kein Problem! Dieses hausgemachte Eis auf Basis von Joghurt und Beeren ist nicht nur lecker, sondern auch für Diabetiker:innen geeignet. Ganz ohne zugesetzten Zucker, dafür mit frischen Zutaten und viel Geschmack.

Loading

Mehr lesen »