Blaues Licht & Gesundheit: was hat es damit auf sich?

Licht ist Teil unseres Alltags. Es beleuchtet uns, bestimmt unseren Tagesrhythmus und beeinflusst unseren Schlaf. Aber seit dem massiven Einzug der LEDs – in unseren Glühbirnen, Bildschirmen und Autoscheinwerfern – taucht immer wieder eine Frage auf: ist blaues Licht gesundheitsschädlich? Und vor allem: wie können sich Jung und Alt vor seinen unerwünschten Auswirkungen schützen? | Natacha Beneva

Was ist blaues Licht?

Sichtbares Licht besteht aus einem Spektrum verschiedener Farben, die von Violett bis Rot reichen. Blaues Licht entspricht dem Bereich der «kurzen Wellenlängen» zwischen 415 und 455 Nanometern. Es ist natürlicher Bestandteil des Tageslichts, ist aber auch in konzentrierter Form in künstlichen Lichtquellen, insbesondere LEDs, enthalten. Letztere sind überall zu finden: in Lampen für den Wohnraum, in Strassenbeleuchtungen, Autoscheinwerfern, Leuchtspielzeug, Computerbildschirmen, Tablets und Smartphones. Sie sind energiesparend, langlebig und haben sich im Laufe der Zeit als dominierende Technologie durchgesetzt. Doch  welche Auswirkungen hat das von LEDs emittierte blaue Licht eigentlich auf die Gesundheit? 

Auswirkungen auf das Sehvermögen

Der Bericht der ANSES bestätigt, dass blaues Licht für die Netzhaut toxisch sein kann. Die sogenannte «photoretinale» Toxizität entsteht durch oxidativen Stress, der auftritt, wenn das Auge wiederholt intensivem blauem Licht ausgesetzt ist. Studien zeigen, dass eine akute Exposition, selbst wenn nur von kurzer Dauer, zu irreversiblen Schäden an den Netzhautzellen führen kann. Ist das Auge in einem geringeren, aber wiederholten Masse blauem Licht ausgesetzt, könnte dies die Alterung der Netzhaut beschleunigen und zum Auftreten von Krankheiten wie der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) beitragen. Die gute Nachricht: LED-Lampen, die in der Wohnraumbeleuchtung verwendet werden, entsprechen der aktuellen Norm und stellen bei normalem Gebrauch keine akute Gefahr dar. Das Risiko geht also eher von leistungsstarken LEDs aus, also von Autoscheinwerfern, Projektoren, Taschenlampen und Leuchtspielzeug mit direkten LEDs.

Auswirkungen auf den Schlaf und die innere Uhr

Blaues Licht spielt auch eine entscheidende Rolle für unsere innere Uhr, die den Wechsel zwischen Wachsein und Schlaf, die Körpertemperatur und die Hormonausschüttung reguliert. Tagsüber hilft uns blaues Licht dabei, wach und aufmerksam zu bleiben. Abends wird die künstliche Lichtexposition aber problematisch, denn sie hemmt die Ausschüttung des für das Einschlafen unerlässlichen Hormons Melatonin. Die Folge sind ein unruhiger Schlaf und Probleme beim Einschlafen und Aufwachen. Schlafstörungen treten vor allem bei intensiver abendlicher Nutzung von Bildschirmen wie Smartphones, Tablets und Computern auf. Jugendliche, die diese Geräte besonders häufig nutzen, sind zwar am stärksten betroffen, die Auswirkungen betreffen aber alle Altersgruppen.


Allgemeine Empfehlungen

  1. Ziehen Sie «warmweisse» Beleuchtung vor: warmweisse LEDs strahlen weniger blaues Licht aus als «kaltweisse» LEDs.
  2. Schränken Sie die Nutzung von Bildschirmen am Abend ein: dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche, um Einschlafprobleme zu vermeiden. 
  3. Vermeiden Sie den direkten Augenkontakt mit leistungsstarken LEDs: schauen Sie nicht aus nächster Nähe auf eine Taschenlampe, einen Projektor oder ein Leuchtspielzeug.
  4. Begrenzen Sie die Nutzung von Leuchtgeräten: insbesondere solche, die für Kinder bestimmt sind (Spielzeug, LED-Nachtlichter, leuchtende Gadgets).
  5. Sicherheitsstandards anpassen: dies dient dazu, die langfristigen Auswirkungen von blauem Licht besser zu berücksichtigen.

Die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen

Nicht alle Menschen sind auf blaues Licht gleichermassen empfindlich. Der ANSES-Bericht identifiziert mehrere besonders empfindliche Gruppen: Kinder und Jugendliche, deren Augen blaues Licht weniger gut filtern können und deren Schlaf-Wach-Rhythmus empfindlicher ist. Ältere Menschen, die bereits einem Risiko für AMD ausgesetzt sind. Schwangere Frauen und Säuglinge, für die besondere Vorsicht empfohlen wird. Nachtarbeiter:innen und Arbeiter:innen im Schichtbetrieb, deren biologische Uhr bereits gestört ist.

Eine Herausforderung für die öffentliche Gesundheit

LED-Beleuchtung hat unser Leben verändert, denn sie ist energieeffizient und nachhaltig. Ihre rasante Entwicklung stellt uns aber auch vor gesundheitliche Herausforderungen. Wissenschaftliche Daten zeigen zwei Tatsachen deutlich: blaues Licht am Tag ist unverzichtbar, um sich wach und energetisch zu fühlen. Wer sein Auge aber abends übermässig blauem Licht aussetzt oder wiederholt von intensiven LED-Lichtquellen umgeben ist, kann damit seinem Schlaf und sogar seinem Sehvermögen schaden. Um das zu vermeiden, ist eine verantwortungsbewusste Nutzung, eine bessere Aufklärung der Öffentlichkeit und eine besondere Wachsamkeit gegenüber Kindern und Heranwachsenden besonders wichtig.

Fazit

Blaues Licht ist zwar nicht giftig, aber auch nicht harmlos, und wirkt sich auf unsere Augen, unsere innere Uhr und unseren Schlaf aus. Die Expert:innen der ANSES rufen zur Vorsicht auf, insbesondere bei Kindern und Menschen, die viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. In unserer vernetzten Welt, in der wir künstlichem Licht übermässig ausgesetzt sind, ist der Schutz unserer Augen und unseres Schlafes besonders wichtig. Die Wahl geeigneter Beleuchtung, die Einschränkung der Bildschirmnutzung am Abend und die Vermeidung intensiver Lichtquellen sind einfache, aber wirksame Vorsichtsmassnahmen und ein guter Kompromiss, um weiterhin die Vorteile der LED-Technologie zu nutzen, ohne die Qualität unseres Schlafes zu beeinträchtigen… oder die unserer Sehkraft!  

Quelle: ANSES, Effets sur la santé humaine et l’environnement des LED, rapport 2019.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Abonnieren Sie die Printversion von Gesundheitsecho, um Zugriff auf alle Informationen zum Thema zu haben: Erfahrungsberichte, Tests, nützliche Adressen, Infografiken und mehr.
Also warten Sie nicht länger!
CHF39.00
Oder abonnieren Sie direkt 8 Ausgaben!
CHF78.00

Loading

Teilen auf

Facebook

Weitere Artikel

Wenn kleine Wunden grosse Folgen haben

Der diabetische Fuss ist eine schwerwiegende Komplikation bei Menschen mit Diabetes, die oft zu spät erkannt wird. Die Erkrankung kann schleichend beginnen und lange unbemerkt bleiben. Chronische Wunden, Infektionen und Amputationen lassen sich jedoch mit der richtigen Vorsorge und frühzeitigen Behandlung in vielen Fällen verhindern. Neben der medizinischen Versorgung spielen Prävention, interdisziplinäre Zusammenarbeit und das Bewusstsein der Betroffenen eine zentrale Rolle. Im Gespräch gibt Dr. med. Hans Brunner (https://www.drbrunner.ch), Spezialist für den diabetischen Fuss, Einblick in die Vielschichtigkeit dieser Erkrankung und schildert die aktuellen Herausforderungen in der Versorgung.

Loading

Mehr lesen »

Fermentierte Lebensmittel – viel mehr als (nur) Geschmack

Sagt Ihnen das was? Fermentierte Lebensmittel sind im Trend. Doch Fermentation ist kein neuer Hype, sondern ein jahrtausendealtes Verfahren zur Konservierung und Geschmacksbildung von Speisen, lange bevor wir über Kühlschränke verfügten. Heute wissen wir: Fermentation kann weit mehr, als nur Lebensmittel haltbar zu machen. Sie erzeugt lebende Mikroorganismen und diese wiederum eine Fülle bioaktiver Verbindungen, die unser Wohlbefinden unterstützen können.

Loading

Mehr lesen »

Nach der Krebserkrankung: zurück zu Intimität und Vergnügen

Die Diagnose Krebs, egal ob sie die Brust, den Gebärmutterhals oder andere Organe betrifft, verändert das Leben in vielerlei Hinsicht. Trotz der körperlichen und emotionalen Herausforderungen bleibt die oft in den Hintergrund gedrängte Sexualität ein wichtiger Pfeiler der Lebensqualität. Doch die Behandlung (Mastektomie, Chemotherapie, Hormontherapie, Prostatektomie) und deren Auswirkungen auf den Körper und das Selbstwertgefühl können zu Herausforderung in diesem Bereich führen. Um mehr über dieses sensible Thema zu erfahren, haben wir mit Dr. med. Lakshmi Waber, Psychiater, Sexologe und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Sexologie, gesprochen. Im Interview hat er uns Tipps in Bezug auf Herausforderungen, Lösungen und Hoffnungen verraten, die Frauen und Männer dabei unterstützen können, Intimität und Lust nach einer Krebserkrankung neu zu entdecken.

Loading

Mehr lesen »

Warme Detox-Tees – sanft in den Herbst starten

Wenn die Tage kürzer werden und der Körper die ersten Fröste der Saison spürt, ist es an der Zeit, sich wohltuenden Ritualen zuzuwenden. Warme Tees und Aufgüsse sind nicht nur eine Wohltat für die Seele – sie können den Organismus auch bei der Umstellung unterstützen, das Immunsystem anregen, die Verdauung fördern und sanft entgiften. Hier sind drei einfache, natürliche und köstliche Rezepte, ideal für einen gesunden Start in den Herbst.

Loading

Mehr lesen »

Histaminintoleranz: ein Rätsel

Die seltene Histaminintoleranz, die rund 1% der Schweizer Bevölkerung betrifft, kann einfache Freuden wie gutes Essen zum Albtraum machen. Die 34-jährige Elodie, eine junge, aktive Frau, hat dies selbst erlebt.

Loading

Mehr lesen »

Probiotika und der Körper

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die – in ausreichender Menge eingenommen – positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben können. Doch was geschieht mit ihnen, sobald wir sie geschluckt haben? Folgen Sie ihrem Weg durch den Körper und entdecken Sie, wie sie mit unserem Organismus interagieren, um unser Wohlbefinden zu unterstützen.

Loading

Mehr lesen »