Heuschnupfen: Wenn Pollen unseren Alltag beeinträchtigen

Dr. med. Lionel Arlettaz

Heuschnupfen, auch saisonale allergische Rhinokonjunktivitis genannt, ist eine Erkrankung, von der ein erheblicher Teil der Schweizer Bevölkerung betroffen ist. Laut vorliegenden Daten leiden etwa 20% der Schweizer:innen an einer Pollenallergie1. Diese hohe Prävalenz unterstreicht, wie wichtig es ist, die Symptomatik, die Profile der am stärksten betroffenen Patient:innen, die vorbeugenden Massnahmen sowie die möglichen Komplikationen, die mit dieser Allergie verbunden sind, zu verstehen. Um diese Aspekte zu beleuchten, haben wir Dr. med. Lionel Arlettaz, Leitender Arzt der Abteilung Immuno-Allergologie am Zentralinstitut der Spitäler in Sitten, befragt. | Adeline Beijns

Was sind die Hauptsymptome von Heuschnupfen und wie unterscheidet er sich von einer gewöhnlichen Erkältung?

Heuschnupfen äussert sich hauptsächlich durch häufiges Niesen, starken, klaren Nasenausfluss, Juckreiz in der Nase, den Augen, dem Hals oder den Ohren sowie eine verstopfte Nase. Im Gegensatz zur gewöhnlichen Erkältung, die durch Viren verursacht wird und oft mit Fieber, Halsschmerzen und Gliederschmerzen einhergeht, ist Heuschnupfen eine allergische Reaktion auf Pollen in der Luft. Die Symptome von Heuschnupfen treten in der Regel saisonal auf, je nachdem, wann die Pflanzen, auf die die Person allergisch ist, bestäubt werden. Ausserdem treten allergische Symptome so lange auf, wie die Pollenbelastung besteht, während sich eine virale Erkältung in der Regel nach einer Woche legt.

Welche Patientenprofile sind am häufigsten von Heuschnupfen betroffen und wie wirkt sich dies auf ihre Lebensqualität aus?

Heuschnupfen kann Menschen aller Altersgruppen betreffen, wird aber häufig bei Kindern und jungen Erwachsenen beobachtet. Menschen mit einer familiären Vorgeschichte in Bezug auf Allergien entwickeln ebenfalls mit grösserer Wahrscheinlichkeit eine Pollenallergie. Diese Erkrankung kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen, wobei die Auswirkungen direkt von der Art und Schwere der Symptome abhängen. 

So ist die Belastung im Alltag umso grösser, je schwerer die Symptome sind, was sich zum Beispiel in Form von häufigen Schlafstörungen, anschliessender Müdigkeit, ausgeprägter Konzentrationsschwäche und einem deutlichen Rückgang der schulischen oder beruflichen Leistungen äussert. Ausserdem haben Menschen mit Heuschnupfen ein erhöhtes Risiko, allergisches Asthma zu entwickeln, was sich zusätzlich nachteilig auf ihren Gesundheitszustand auswirken kann.

Gibt es vorbeugende Massnahmen, um die Pollenexposition zu verringern und allergische Reaktionen einzudämmen?

Pollen sind sehr klein und verbreiten sich überall, sodass es fast unmöglich ist, sich vollständig zu schützen. In Zeiten hoher Konzentrationen ist es jedoch ratsam, die Fenster geschlossen zu halten und den Aufenthalt im Freien einzuschränken. Darüber hinaus ist die Allergen-Immuntherapie, die gemeinhin als Desensibilisierung bezeichnet wird, ein besonders interessanter langfristiger Präventionsansatz. Sie führt nicht nur zu einer deutlichen Verringerung der allergischen Symptome, sondern senkt auch das Risiko, dass sich ein allergisches Asthma entwickelt, und beugt einer weiteren Sensibilisierung gegenüber anderen Pollen vor. 

Somit stellt die Desensibilisierung eine wirksame, präventive therapeutische Strategie dar, die die Lebensqualität der Patient:innen nachhaltig verbessert.

Kann sich Heuschnupfen zu ernsthafteren Komplikationen entwickeln?

Tatsächlich kann Heuschnupfen zu Komplikationen führen, wenn er nicht richtig behandelt wird. Eine der häufigsten Komplikationen ist die Entwicklung von allergischem Asthma, das durch eine Entzündung der unteren Atemwege gekennzeichnet ist und zu Atembeschwerden führt. Ausserdem ist das Risiko, eine chronische Sinusitis zu entwickeln, ebenfalls erhöht.

Gibt es noch etwas, das Sie unseren Leser:innen mitgeben möchten?

Es ist wichtig zu betonen, dass Heuschnupfen eine häufige, aber oft unterschätzte Erkrankung ist. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, einen Facharzt oder eine Fachärztin für Allergologie aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und eine geeignete Behandlung einzuleiten, damit Komplikationen vermieden werden können. 


Referenz:
1. https://www.meteosuisse.admin.ch/dam/jcr%3A97dd0d5d-f92c-432c-ae6a-eb92cbaa927b/FACTSHEET_Pollen_F_final1.pdf 

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Abonnieren Sie die Printversion von Gesundheitsecho, um Zugriff auf alle Informationen zum Thema zu haben: Erfahrungsberichte, Tests, nützliche Adressen, Infografiken und mehr.
Also warten Sie nicht länger!
CHF39.00
Oder abonnieren Sie direkt 8 Ausgaben!
CHF78.00

Loading

Teilen auf

Facebook

Weitere Artikel

Rückenschmerzen: Mythen entlarven, um Schmerzen zu lindern

Rückenschmerzen oder Lumbalgie betreffen fast 80% aller Erwachsenen im Laufe ihres Lebens und sind damit eine der häufigsten Beschwerden unserer Zeit. Hinter ihnen verbergen sich zahlreiche falsche Überzeugungen, die in der kollektiven Vorstellung verankert sind und nicht nur das Leiden aufrechterhalten, sondern auch akute Schmerzen in ein chronisches Problem verwandeln können. Falsche Überzeugungen, die sowohl von Patient:innen als auch von einigen Angehörigen der Gesundheitsberufe geteilt werden, haben schädliche Auswirkungen: sie schüren Ängste und behindern eine optimale Heilung, da durch sie Rückenleiden oft unbehandelt bleiben.

Loading

Mehr lesen »

Invasive Schmerztherapie im klinischen Alltag

Chronische Schmerzen sind weit verbreitet und belasten Betroffene wie auch das Gesundheitssystem erheblich. In diesem Gespräch gibt Dr. med. Lucian Macrea, Facharzt für Anästhesiologie Interventionelle Schmerzmedizin in Luzern, Einblicke in die invasive Schmerztherapie. Er erklärt, wie gezielte Eingriffe Schmerzen lindern können, welche Patientengruppen davon profitieren und warum psychosoziale Faktoren und interdisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend für den Therapieerfolg sind.

Loading

Mehr lesen »

Präzision, Planung, Personalisierung: Wie Roboter die orthopädische Chirurgie verändern

Roboterassistierte Systeme halten zunehmend Einzug in die Operationssäle. In der orthopädischen Chirurgie unterstützen sie Ärzt:innen dabei, Eingriffe millimetergenau zu planen und durchzuführen. Dr. Stefan Joss aus Bern und Dr. Daniel De Menezes aus Biel, beide Belegärzte an der Privatklinik Siloah in Gümligen und mit eigener Praxis, berichten im Interview, wie sich die Technologie auf ihre tägliche Arbeit auswirkt. Auch Dr. Balz Aklin, Dr. Uwe Bierbach, Prof. Dr. Heiko Graichen, Dr. med. Christian Kehl , Dr. med. Andreas Schuster und Dr. med. Urs Summermatter arbeiten in der Privatklinik Siloah mit robotischen Assistenzsystemen.

Loading

Mehr lesen »

Augen auf bei der Vorsorge: Netzhauterkrankungen früh erkennen und behandeln

Gesunde Augen sind für die meisten Menschen selbstverständlich. Doch Erkrankungen der Netzhaut können das Sehvermögen schleichend und dauerhaft beeinträchtigen. Moderne Therapien bieten heute Chancen, die vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wären. Prof. Dr. med. Matthias Becker, Chefarzt und Leiter Forschungszentrum Augenklinik, Stadtspital Zürich Triemli, gibt im Interview einen Einblick in die heutigen Möglichkeiten der Netzhautdiagnostik und -therapie.

Loading

Mehr lesen »

Lichtes Haar? Und wenn es genetisch ist?

Es landen mehr Haare auf der Bürste als üblich – wer hat da nicht schon einen Schreck bekommen? Auch wenn Haarausfall wie etwas Alltägliches wirken mag, ist es wichtig zu verstehen, dass nicht alle Arten von Haarausfall gleich sind. Während der häufig auftretende saisonale Haarausfall in der Regel vorübergehend und mässig ist, kann androgenetische Alopezie dauerhaft auftreten und verdient besondere Aufmerksamkeit.

Loading

Mehr lesen »