Neurogene Detrusorhyperaktivität…

Detrusorhyperaktivität

Die neurogene Detrusorhyperaktivität (Neurogenic Detrusor Overactivity, NDO) ist ein komplexes Krankheitsbild, das einen erheblichen Anteil der Patient:innen mit neurologischen Störungen betrifft. Gekennzeichnet durch unwillkürliche Kontraktionen des Blasenmuskels während der Blasenfüllungsphase, kann NDO zu schwerwiegenden Komplikationen führen, darunter wiederkehrende Harnwegsinfektionen und eine Verschlechterung der Nierenfunktion. Von Adeline Beijns

Epidemiologie und Statistik

Bei der neurogenen Detrusorhyperaktivität kommt es zu unwillkürlichen Kontraktionen des Detrusormuskels (Blasenmuskels) aufgrund einer neurologischen Grunderkrankung. Diese Kontraktionen können zu einer erhöhten Miktionsfrequenz tagsüber und nachts, Harndrang und Inkontinenz führen. Die Symptome können die Lebensqualität der Patient:innen erheblich beeinträchtigen und zu physischen und psychischen Beschwerden führen. 

NDO ist häufig die Folge einer Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems, die die Kontrolle über die Blasenentleerung beeinträchtigt. Dieser Zustand wird häufig bei Patient:innen mit Rückenmarksverletzungen, Multipler Sklerose, zerebrovaskulären Erkrankungen und neurodegenerativen Erkrankungen beobachtet. Nach Angaben der European Association of Urology zeigen bis zu 80% der Patient:innen mit Rückenmarksverletzungen Symptome von NDO¹. Darüber hinaus entwickeln etwa 50% der Patient:innen mit Multipler Sklerose im Verlauf ihrer Erkrankung Harnwegsbeschwerden².

Auswirkungen auf die Lebensqualität

Eine NDO hat erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität der Patient:innen. Harnwegssymptome können alltägliche Aktivitäten einschränken, zu Angstzuständen und Depressionen führen und die sozialen und beruflichen Beziehungen beeinträchtigen. Aufgrund der Inkontinenz empfinden die Betroffenen oft Scham, was zu sozialer Isolation führen kann. Das Erkennen dieser Auswirkungen ist entscheidend, um eine angemessene Unterstützung zu gewährleisten und das allgemeine Wohlbefinden der Patient:innen zu verbessern³.

Prognose und Langzeitbehandlung

Eine multidisziplinäre Betreuung ist entscheidend, um die Behandlungsergebnisse bei Patient:innen mit NDO zu optimieren. Dabei ist die regelmässige Überwachung der Nierenfunktion und des intravesikalen Drucks essentiell, um Komplikationen zu vermeiden. Patient:innenschulung sowie psychologische Unterstützung spielen ebenfalls eine Schlüsselrolle bei der langfristigen Bewältigung dieses Zustands.

Was ist zu beachten?

Die neurogene Detrusorhyperaktivität stellt eine grosse Herausforderung für das ärztliche Fachpersonal dar. Ein gründliches Verständnis der Pathophysiologie und ein individualisierter Therapieansatz sind unerlässlich, um die klinischen Ergebnisse und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Jüngste Fortschritte eröffnen neue Perspektiven, unterstreichen aber auch die Notwendigkeit weiterer Forschung auf diesem komplexen Gebiet.

Referenzen:
1. Groen, J., Pannek, J., Castro-Diaz, D., Del Popolo, G., Gross, T., Hamid, R., & Blok, B. F. (2016). Summary of European Association of Urology (EAU) guidelines on neuro-urology. European Urology, 69(2), 324-333.
2. Panicker, J. N., Fowler, C. J., & Kessler, T. M. (2015). Lower urinary tract dysfunction in the neurological patient: clinical assessment and management. The Lancet Neurology, 14(7), 720-732.
3. Fowler, C. J., Panicker, J. N., Drake, M., Harris, C., Harrison, S. C., Kirby, M., & Emmanuel, A. (2008). A UK consensus on the management of the bladder in multiple sclerosis. Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry, 79(6), 6-69.

 

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