HPV: Ein Virus, das uns alle betrifft

Dr. med. Antonia Pop
Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Centre Médical d’Aubonne 

Das humane Papillomavirus (HPV) ist das weltweit häufigste sexuell übertragbare Virus. Dennoch ist es in der breiten Öffentlichkeit noch immer zu wenig bekannt. Da es für fast alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist und auch bei anderen Krebsarten (Anus, HNO, Penis) eine Rolle spielt, stellt es ein echtes Problem für die öffentliche Gesundheit dar. Um einen Überblick über Risiken, Prävention und Impfung zu geben, haben wir uns mit Dr. med. Antonia Pop, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Centre Médical d’Aubonne (EHC), unterhalten. | Adeline Beijns

Können Sie uns erklären, was das HPV ist und warum es ein grosses Problem für die öffentliche Gesundheit darstellt?

Das HPV, oder humane Papillomavirus, ist eine sehr grosse Virusfamilie, von der ein Grossteil spezifisch für den Genitalbereich ist. Es wird hauptsächlich durch direkten Hautkontakt beim Geschlechtsverkehr übertragen, einschliesslich vaginalem, analem oder oralem Geschlechtsverkehr, auch ohne Penetration. Bestimmte Typen sind besonders aggressiv und können bei einer anhaltenden Infektion zu Krebs führen. 

Andere sind weniger gefährlich und verursachen lediglich Warzen oder Genitalwarzen, bei denen es sich um gutartige Läsionen handelt. Dank der Fortschritte in der Medizin verfügen wir heute über einen sehr zuverlässigen Screening-Test sowie einen wirksamen Impfstoff. 

Das Virus stellt ein grosses Problem für die öffentliche Gesundheit dar, weil es extrem weit verbreitet und für zahlreiche Krebserkrankungen verantwortlich ist, insbesondere bei Frauen, aber nicht nur.

Was sind heute die grössten Risiken einer HPV-Infektion, sowohl bei Frauen als auch bei Männern? 

Das Hauptrisiko ist die Entwicklung von Krebs. Am bekanntesten ist natürlich Gebärmutterhalskrebs, aber HPV kann auch Analkrebs, Krebs im HNO-Bereich (Mund und Rachen) und bei Männern Peniskrebs verursachen. 

In den allermeisten Fällen bekämpft das Immunsystem das Virus innerhalb von zwei bis drei Jahren von selbst. Leider bleibt die Infektion bei manchen Menschen bestehen. Bleibt das Virus am Gebärmutterhals vorhanden, kann es zu Krebsvorstufen führen, die sich ohne Vorsorgeuntersuchung und Behandlung innerhalb von 10 bis 15 Jahren langsam zu Krebs entwickeln.

Die HPV-Impfung wird für Jugendliche empfohlen. Wie sieht die aktuelle Impfquote in der Schweiz aus?

Der Impfstoff wurde speziell gegen die HPV-Typen entwickelt, die im Genitalbereich das höchste Risiko darstellen. Er wird vor Beginn des Sexuallebens empfohlen, idealerweise im Alter zwischen 11 und 14 Jahren. Leider ist die Durchimpfungsrate in der Schweiz noch nicht optimal. Sie variiert stark je nach Kanton und liegt derzeit bei etwa 71% bei jungen Frauen sowie 49% bei jungen Männern, während das ideale Ziel bei 80% liegen würde.

Welche Vorbehalte beobachten Sie bei Patient:innen oder Eltern noch in Bezug auf diese Impfung?

Der Impfstoff ist sehr sicher und umfasst bis zum 15. Lebensjahr nur zwei Dosen (drei Dosen zwischen 15 und 26 Jahren). Er wird sowohl für Mädchen als auch für Jungen vollständig von der Grundversicherung erstattet. 

Dennoch tauchen immer wieder drei Hindernisse auf: die Angst vor der Impfung, die falsche Annahme, dass «ich sie nicht brauche, da ich schon lange mit demselben Partner oder derselben Partnerin zusammen bin», und ganz einfach der Mangel an Informationen über die Kostenübernahme oder die Möglichkeit einer Nachholimpfung bis zum Alter von 26 Jahren. Ich möchte betonen: Zu glauben, man brauche den Impfstoff nicht, weil man in einer festen Beziehung lebt, ist ein schwerwiegender Irrtum.

Welche Kernbotschaften möchten Sie vermitteln, um die Prävention zu verbessern und die Häufigkeit von HPV-bedingten Krebserkrankungen zu senken?

Drei wichtige Botschaften: Der Impfstoff ist sicher, wirksam und immer sinnvoll, auch nach Beginn des Sexuallebens. Die Impfung ersetzt nicht die regelmässige Vorsorgeuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs mittels Pap-Abstrich oder HPV-Test. Und schliesslich betrifft der Impfstoff Mädchen ebenso wie Jungen: Durch die Impfung von Jungen wird die Verbreitung des Virus eingedämmt und die gesamte Bevölkerung geschützt. Eine kombinierte Prävention, also Impfungen in Verbindung mit Vorsorgeuntersuchungen, ist unsere beste Waffe, um HPV-bedingte Krebserkrankungen nachhaltig einzudämmen. Zögern Sie also nicht, mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber zu sprechen. 


Quelle: Schweizerische Eidgenossenschaft, Die HPV-Impfung als Basisimpfung für Jungen: https://www.bag.admin.ch/dam/de/sd-web/koONwgRj6VKD/art.12a%20bst.%20q_klv_empf_basisimpfung_hpv_jungen_6november2023.pdf, abgerufen im Juni 2026

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